«Wir wollen agieren statt reagieren»

Mit dem Auswärtsspiel gegen den FC Solothurn startet Zug 94 am Samstag, 8. August (18 Uhr), in die neue Saison der 1. Liga. Nach dem erfolgreichen Ligaerhalt übernimmt mit Erminio Piserchia ein erfahrener Fussballfachmann die sportliche Verantwortung an der Seitenlinie. Im Interview spricht er über seine Motivation, seine Spielidee und seine Erwartungen an die kommende Saison.

Erminio, du warst viele Jahre im Nachwuchs- und Profifussball tätig. Was hat dich an der Aufgabe bei Zug 94 besonders gereizt?

Es hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet, dass ich gerne wieder eine andere Funktion übernehmen möchte. Ich hatte immer den Gedanken im Hinterkopf, nochmals als Trainer zu arbeiten. Dieses Gefühl, wieder eine Mannschaft zu führen, wurde in letzter Zeit immer stärker. Als dann der Kontakt mit Zug 94 zustande kam, haben wir uns zu Gesprächen getroffen und schnell gemerkt, dass es für beide Seiten passt. Ich wusste zudem, dass Zug 94 eine ruhmreiche Vergangenheit hat, und ich fand, dass diese Aufgabe sehr gut zu mir passt.

Zug 94 geht in die zweite Saison nach dem Aufstieg. Viele sagen, dass gerade diese die schwierigste ist. Stimmst du dieser Aussage zu?

Warum das so ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Nach dem Aufstieg konnte die Mannschaft den Schwung aus der erfolgreichen Saison in der 2. Liga interregional mitnehmen und davon profitieren. Jetzt gilt es, diesen Weg weiterzugehen. Unser Ziel ist es, uns in der 1. Liga weiter zu etablieren, mit den Gegnern auf Augenhöhe mitzuhalten und Schritt für Schritt die nächste Entwicklung zu machen.

Wofür soll Zug 94 unter Erminio Piserchia stehen? Welche Spielphilosophie willst du der Mannschaft mitgeben und welche Ziele hast du für die Saison 2026/27?

Für mich ist es wichtig, zuerst den Charakter einer Mannschaft kennenzulernen und darauf aufzubauen. Gemeinsam wollen wir uns im Mittelfeld, idealerweise sogar in der vorderen Tabellenhälfte, etablieren. Auf dem Platz möchten wir mutig auftreten, den Ball möglichst weit vorne erobern und offensiven Fussball spielen. Dazu gehören ein schnelles Umschaltspiel und längere Ballbesitzphasen, damit wir das Spiel aktiv gestalten können. Es ist mir wichtig, dass wir agieren und nicht nur reagieren. Gleichzeitig braucht es aber auch die nötige Flexibilität, um sich an verschiedene Spielsituationen anzupassen. Im Training habe ich bereits viele positive Ansätze gesehen, auf denen wir weiter aufbauen wollen.

Das letzte Vorbereitungsspiel gegen die U21 von Winterthur war durchzogen. Welche Schlüsse ziehst du darauf für den Saisonstart?

Sie haben uns in der ersten Halbzeit ein wenig überrannt mit ihrem schnellen Umschaltspiel. Wir hatten in der Mitte ein grosses Loch, das auch zu Problemen in der Verteidigung führte. Wir haben in der Pause Korrekturen vorgenommen, was sich positiv ausgewirkt hat: bessere Passqualität, weniger technische Fehler und kompakteres Spiel. Wir werden daraus wieder unsere Lehren ziehen, damit wir gegen Solothurn bereit sind.

Du hast unter Trainern wie Vladimir Petković, Rolf Fringer oder Alain Geiger gearbeitet. Was hast du von diesen Persönlichkeiten für deine eigene Trainerphilosophie mitgenommen?

Ich durfte als Assistenztrainer mit verschiedenen Persönlichkeiten zusammenarbeiten und zeitweise auch selbst als Cheftrainer Verantwortung übernehmen. Jeder dieser Trainer hatte seine eigene Art, eine Mannschaft zu führen und Fussball zu verstehen. Ich habe versucht, von jedem etwas mitzunehmen, das mich persönlich weiterbringt. Am Ende muss man aber seinen eigenen Weg finden. Jeder Trainer braucht seine eigene Philosophie und seine eigene Identität.

Mit dem FC Solothurn wartet zum Saisonauftakt gleich ein anspruchsvoller Gegner. Worauf wird es im ersten Meisterschaftsspiel ankommen?

Der FC Solothurn ist ein ambitionierter Gegner und hat sich für die neue Saison gezielt verstärkt. Wir wissen, dass uns eine schwierige Aufgabe erwartet. Für uns ist entscheidend, dass wir die positive Stimmung aus der Vorbereitung mit ins erste Meisterschaftsspiel nehmen. Auch wenn wir einige Absenzen haben, wollen wir mutig auftreten und alles daransetzen, mit einem positiven Resultat in die neue Saison zu starten.

Was möchtest du den Mitgliedern, Fans und Sponsoren von Zug 94 vor dem Saisonstart mit auf den Weg geben?

Ich freue mich besonders auf das erste Heimspiel und darauf, unsere Fans kennenzulernen. Natürlich braucht jede Mannschaft etwas Zeit, bis alle Abläufe funktionieren. Deshalb hoffe ich, dass unser Umfeld zu Beginn etwas Geduld mitbringt. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen guten Weg einschlagen werden. Die Zuschauer dürfen sich auf eine Mannschaft freuen, die Charakter zeigt, füreinander kämpft, mutig auftritt und in jedem Spiel alles gibt. Dafür brauchen wir auch die Unterstützung unserer Fans. Ich freue mich darauf, sie schon bald beim ersten Heimspiel begrüssen zu dürfen.