Die unglaubliche Geschichte der Ü60 von Zug 94

Seit vielen Jahren gehörte der Mittwochabend ihnen: Eine Stunde Fussball, danach die sogenannte dritte Halbzeit im Stadionrestaurant. Nun geht eine aussergewöhnliche Geschichte vorläufig zu Ende. Hans, Emilio, Franz, Edy und Albert trafen sich letzten Mittwoch zum letzten gemeinsamen Training der Ü60 von Zug 94.

Der Grund für die Auflösung ist so einfach wie nachvollziehbar: Es sind zu wenige aktive Spieler übrig. «Zwei gegen Zwei macht einfach nicht mehr so viel Spass», sagt Albert. «Und in unserem Alter zwickt es halt mal hier, mal dort.» Von den ursprünglich rund 15 Mitgliedern ist nur noch eine Handvoll übriggeblieben. Einige haben ganz aufgehört, andere spielen heute bei den Ü50 – und einige Weggefährten sind leider bereits verstorben.

Damit endet eine Geschichte, die bis in die Gründerjahre von Zug 94 zurückreicht. Als sich der FC Zug und der Sportclub Zug zu Zug 94 vereinten, mussten auch zwei Seniorenmannschaften zusammengeführt werden. Nach sportlichen Kriterien spielten zunächst die Besten – die anderen mussten zuschauen. Zu ihnen gehörten auch Edy Peter und Hans Hildebrand.

Die beiden wollten sich damit allerdings nicht lange zufriedengeben. Als der FC Rotkreuz seine Seniorenmannschaft auflösen wollte, warben sie an dessen Generalversammlung Spieler für Zug 94 an. Fünf Spieler wechselten daraufhin nach Zug, darunter Bruno Stocker und Leo Hug. Damit konnte Zug 94 eine zweite Seniorenmannschaft beim Fussballverband Region Zürich anmelden.

Und diese Mannschaft schrieb ihre eigene sportliche Geschichte. 2002 wurde sie erstmals Gruppensieger und qualifizierte sich damit für das Endspiel um die Meisterschaft. Dort unterlag das Team GC Zürich und wurde Vizemeister.

Zwei Jahre später folgte ein ganz besonderes Kapitel: 2004 wurden gleich beide Seniorenmannschaften von Zug 94 Gruppensieger. Damit kam es im Endspiel in Zürich tatsächlich zum vereinsinternen Duell. Gemeinsam reisten die beiden Zuger Teams mit dem Bus an. Die erste Mannschaft holte sich den Meistertitel, die zweite wurde erneut Vizemeister. Gefeiert wurde danach trotzdem gemeinsam – und, wie sich die Beteiligten erinnern, «meisterlich».

Nicht nur auf dem Fussballplatz eine besondere Mannschaft

Die Geschichte der Ü60 bestand jedoch nie nur aus Resultaten, Tabellen und Trainingseinheiten. Über die Jahre entstand eine Gemeinschaft, die weit über den Fussballplatz hinausging. Mehrtägige Reisen ins Ausland wurden zu einem festen Bestandteil des Vereinslebens.

Mehrfach ging es nach Deutschland. Im Ruhrgebiet spielte die Gruppe unter anderem gegen den Heimatverein von Hans Hildebrand sowie gegen den VfL Bochum. Daneben stand auch einiges abseits des Rasens auf dem Programm. Die Gruppe unternahm eine Grubenfahrt bis rund 1’200 Meter unter die Erde, besuchte das Musical «Starlight Express» in Bochum, machte einen Abstecher nach Düsseldorf und erlebte auf Schalke ein Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart.

Auch Berlin blieb in Erinnerung. Dort spielte die Zuger Gruppe gegen Hertha BSC, besuchte ein Bundesligaspiel zwischen Hertha und Borussia Dortmund und erkundete die deutsche Hauptstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und den Überresten der Berliner Mauer. Natürlich durfte auch das Berliner Nachtleben nicht fehlen.

Eine weitere Reise führte die Mannschaft an die Nordsee. Auf dem Programm standen die Meyer Werft in Papenburg, die Insel Borkum sowie ein Fussballspiel in Greetsiel. Auch die dortige Hafenbar hat bei einigen Teilnehmern offenbar bleibende Erinnerungen hinterlassen.

Eine ganz besondere Reise führte die Gruppe nach Kroatien. Organisiert wurde sie von BEGO, an den sich die Mannschaft bis heute gerne erinnert. Neben dem obligatorischen Fussballspiel verbrachte die Gruppe einige gemeinsame Tage auf einer Insel. BEGO blieb seinen Mitspielern nicht nur als herausragender Fussballer, sondern vor allem als toller Mensch in Erinnerung.

All diese Geschichten zeigen, weshalb Hans Hildebrand mit Überzeugung sagt: «Wir sind eine aussergewöhnliche Fussballtruppe. Der Älteste ist 92, der Jüngste 71. Das findet man sonst nirgends.»

Zug 94 ist stolz auf seine Ü60. Die Gruppe hat über viele Jahre gezeigt, dass Fussball keine Altersgrenze kennt. Noch wichtiger aber: Sie hat gezeigt, wie aus Mitspielern Freunde werden können und wie der Teamgedanke Menschen über Jahrzehnte verbindet.

Oder wie Hans es zusammenfasst: «Wir hatten immer einen Riesenspass. Auf dem Platz und auch in der dritten Halbzeit.»

Nun endet zwar das gemeinsame Training am Mittwochabend. Die Freundschaften und all die Geschichten aus mehreren Jahrzehnten bleiben aber bestehen.

Zug 94 bedankt sich bei allen Spielern, die Teil dieser aussergewöhnlichen Mannschaft waren und sind. Wir wünschen unseren Ü60ern weiterhin beste Gesundheit – und freuen uns, sie auch künftig im Stadion bei den Spielen der 1. Mannschaft oder bei einer gemütlichen dritten Halbzeit im Stadionrestaurant anzutreffen.